Gerd Dudenhöffer (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Eigentlich sieht der Typ ja ganz harmlos aus. Da kommt so ein älterer Herr auf die Bühne mit Karohemd und Hosenträgern und zusätzlich Gürtel, ner Batschkapp uff und schwätzt zwei Stunden druff los. Respekt dafür. Und lustig ist es auch, nicht immer, aber immerhin, hin und wieder. Heinz Becker wagt den Ritt auf der Rasierklinge, immer am Rande des komödiantischen Abgrunds. Der Becker Heinz ist der schrullige Rentner, der uns in seiner Mundart, dem „Saarpfälzischen“ die Welt erklärt, seine kleine spießige Welt. Kabarettist Gerd Dudenhöffer spielt seit mehr als 30 Jahren das HB-Männchen und gastiert an diesem Abend mit seinem Best-Of-Programm „Deja Vu“ im Pavillon Hannover.

Und los geht’s.
Hat isch eigentlisch schon erzählt!?

Gerd Dudenhöffer (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

…dass der grösste Feind des Mischbrotes die Butter ist. Wie HB das erklärt, das ist durchaus witzig, weil mensch es kennt. Alles nachvollziehbar, weil mensch es selbst schon erlebt hat. Oder auch die Geschichte mit dem Toilettengang bei dem der Seifenspender zuviel sponsert und die Seife auf der Hose landet, natürlich an einem neuralgischen Punkt. Und wenn man dann die Seife mit Wasser entfernen will, dass es etwas schäumt und man beim Durchschreiten des Saales schon aus gefühlt 50 Metern von seiner Gattin Hilde so laut angeblökt wird, dass auch die Nebentische was davon haben. Situationskomik pur und herrlisch witzisch. Oder die Story wo HB für seine Hilde Creme kaufen soll und aus Versehen im Sex-Shop landet, wo ihm Gleitcreme aufgeschwätzt wird und überall Männer „rumliegen“, nur ohne Körper. Verstanden?

Vorne D und hinten O.
Schon klar.

Dann kommt der Tanz auf dem Drahtseil. Das Spiel mit dem Feuer. Der Ritt auf der Rasierklinge. Heinz Becker scheut sich nicht auch schwierige Themen zu beschwätzen. Neger, Schwule, Nazis. Er ist dann der Meinung dass Neger nicht Wolfgang, sondern Lumumba heißen müssten, verbindet sie mit „Schwarzarbeit“ und „Dunkelziffer“. Schwule sollten markiert sein. (durch das rote Band). Er definiert sie als Bakterienträger und man müsste doch Knoblauch auflegen. All das wird humorvoll verpackt und mensch lacht auch darüber.

Ich bin bestimmt nicht tolerant

Zunächst. Aber beim näheren Nachdenken bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Die Gags sind menschenverachtend, rassistisch, allerhöchstens zynisch. Deutschland als Auffangbecken für Flüchtlinge zu bezeichnen, aber bitte mit Abflussfrei, denn ohne Abitur soll kein Flüchtling kommen. Puuh. Und Flüchtlinge als „Zeug“ zu betiteln, die sich deutsche Frauen holen, weil diese das so wollen? Geht. Und zwar sowas von gar nicht.  Auch die Geschichte von den Hakenkreuzen, die beim Nachbarn auf die Hauswand gemalt wurden und die er dann gleich wieder hat wegmachen lassen. Warum? Weil sie falsch drauf gemalt waren. Ha Ha. Es kann nur eins geben: weg mit der braunen Sosse. Joh Geh fodd!

Gerd Dudenhöffer (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Doch Gerd Dudenhöffer kriegt zum Glück die Kurve. Als er zum Beispiel künstliche Befruchtung erklärt. Da fehlt dann halt ein Glied in der Kette und es ist keine Erzeugerabfüllung. Der Saal brüllt. Zu recht. Oder als eigentlich über einen Hund gesprochen wird und folgender Dialog mit dem Nachbarn Meyer Kurt entsteht. „Wo hast du denn die Ratte her? „Vor vierzig Jahren beim Tanzen kennengelernt“. Ahjoh!

Im Zugabenteil dann noch die Geschichte mit dem Essen des Blumenkohls, dass unter dem ständigen Zuführen von Korn zu einem großartigen Wortspiel führt. Lecker.

Gerd Dudenhöffer (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Es wurde sehr viel und auch sehr herzlich an diesem Abend gelacht. Und natürlich darf Satire die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Aber in der heutigen Zeit, bei dem derzeitigen politischen Klima weltweit, ist dies schwierig. Und ist es noch Unterhaltung? Das soll dann jeder selbst für sich entscheiden.

Galerien (by Torsten Volkmer bs! 2017):

Links:
www.gerd-dudenhoeffer.de