Foreign Diplomats (Foto: Axel Ganguin bs!)

Die beiden Mädchen sind schon früh gekommen. Sie sitzen direkt am Bühnenrand vom Milla Club und tuscheln miteinander. Jetzt schon den besten Platz in der ersten Reihe besetzen, oder sieht das uncool aus? Man spürt ihre Aufgeregtheit und die Vorfreude auf das Konzert. Auf die Band. Auf die Jungs aus Kanada.
21:15 Uhr.  Das Warten hat ein Ende. Die Foreign Diplomats schlendern zu ihren bereitstehenden Instrumenten. Die zwei Ladies trippeln wie elektrisiert auf der Stelle, dass die Absätze klackern.

Los geht die Show!

Foreign Diplomats (Foto: Axel Ganguin bs!)

Als die ersten Takte von „Comfort Design“ erklingen, wippen auch schon die ersten Füße mit. Man wiegt sich im Rhythmus der Nummer. Élie Raymond, der Leadsänger fragt singend: „You want more? You want more?“ Na klar! Keyboarder Thomas Faubert greift sich zwischendurch die Posaune. Der Song klingt härter und rauher als auf dem Album.

Und das kommt gut.

Dann wird mit „Lily’s nice Shoes! erstmal einen Gang zurückgeschalten. Abwechselnd treten alle Bandmitglieder an ihre Gesangsmikros, aber meistens besorgen Bassist Antoine Lévesque-Roy und Thomas Faubert stimmlich sicher den Begleitgesang. Schnell haben sich die Jungs aus Montreal warmgespielt. Nach den ersten drei Stücken hüpfen sie bereits wie Gummibälle auf der winzigen Bühne herum.

Foreign Diplomats (Foto: Axel Ganguin bs!)

Bei der Präsentation des funkigen „Crown“ kommt Bewegung in die Halle und die ersten Reihen des Publikums beginnen zu tanzen. Obwohl die Band erst ganz am Anfang ihrer Karriere steht, zeigte sie auf ihrem Debütalbum „Princess Flash“ bereits ihre große musikalische Begabung und ihre Fähigkeit tolle Popsongs zu schreiben. Dabei springen sie kreuz und quer durch alle möglichen Musikstile, sammeln ein was ihnen gefällt und basteln daraus ihren ganz eigenen Klangkosmos.

Die Genres ändern sich im Laufe der Show, wie beim Chamäleon die Farben: Funk, New Wave, Rock, Indie. Alles ist möglich. Es kommt nur auf den richtigen Mix an. An manchen Stellen klingt es auch wie Ska, wenn die Posaune und das trockene Schlagzeugspiel von Emmanuel Vallieres im Vordergrund stehen. Dass sich die Foreign Diplomats nicht auf eine bestimmte musikalische Richtung festlegen wollen, beweist, dass sie noch neugierig sind und Lust am ausprobieren haben.

Foreign Diplomats (Foto: Axel Ganguin bs!)

Bei „Guns (Of March)“ trauen sich dann auch einige der Gäste und singen lauthals mit. Die Stimmung ist jetzt ausgelassen. Partyfeeling kommt auf und mit „Beni Oui Oui“ ertönt eine ihrer potentiellen Hitnummern. Der charismatische Sänger reckt die Arme in ausladenden Gesten, weit über und hinter seinen Kopf und streicht sich gelegentlich lasziv die verschwitzten dunklen Strähnen aus der Stirn. Charmant plaudert er zwischen den Songs mit den Fans und des öfteren greifen er und seine Mitspieler auch zu den braunen Glasflaschen der Augustiner Brauerei. Der nächste Song ist dem Bassisten Antoine Lévesque-Roy gewidmet. „Flash Sings for Us“. Laut Élie war der Mann an der Bassgitarre früher mal ein Pornstar. Ha, ha – die Jungs necken sich halt gerne mal untereinander. Ihre Freude am Spielen ist ansteckend, denn beim rasanten „Mexico“ steht dann keiner mehr still und die Menge drängt sich dicht an die Bühne heran.

„Lies (Of November)“

besticht durch einen brüchig, heiseren Gesang in den Strophen und den eingestreuten bizarren Synthieklängen und bei „Drunk Old Paul“ glänzt Charles Primeau mit seinem gedämpften Spiel auf der Rhythmusgitarre. Unglaublich, wie hoch Élie Raymond seine Stimme schrauben kann – denn sein Gesang driftet hier schon nah ans Operettenhafte.

Foreign Diplomats (Foto: Axel Ganguin bs!)

Die lauteren Titel und die ruhigeren Balladen bauen geschickt einen Spannungsbogen auf und bei den schnellen Nummern bebt die Bühne. Trotzdem sind alle äusserst konzentriert bei der Sache. Das Zusammenspiel wurde wohl perfektioniert durch die zahlreichen Auftritte der Band in den letzten Monaten. Eine einfache Aufgabe war es sicher auch nicht, die komplexe Produktion ihrer Songs auf die Bühne zu übertragen und diese live zu performen. Gelungen ist dies auf alle Fälle und der Sound klingt dabei erstaunlich frisch und absolut eigenständig.

Nach einer Stunde geballter Power gibt’s dann noch zwei Zugaben und um 22:30 Uhr entschwinden die fünf sympathischen Musiker endgültig in die Münchner Nacht.
Die beiden Mädels drängen sichtlich erschöpft zum Ausgang. Haarsträhnen hängen über die Gesichter. Hastig beäugen sie gegenseitig die Ausbeute der gemachten Smartphone-Bilder und lächeln dabei äußerst zufrieden.

Alles in allem ein Konzert mit tollen Songs von einer jungen Band, die musikalisch sehr begabt ist, sich nicht scheut hart für ihren Erfolg zu arbeiten und dabei versucht trotzdem noch Spaß zu haben. Einzig zu bemängeln wäre das langweilige und unpassende Lichtdesign. Da hätte man sich etwas mehr Abwechslung gewünscht, als nur ein Standlicht von roten und blauen Strahlern.

Wer die Band bei uns sehen will, muss sich bis August 2017 gedulden, denn dann kommen die kanadischen Partymacher für weitere fünf Gigs nach Deutschland.

„Crack, Boom, Pow!

Foreign Diplomats (Foto: Axel Ganguin bs!)

Galerien (by Axel Ganguin bs! 2017):

Aus der Setlist:

  1. Comfort Design
  2. Lily’s Nice Shoes!
  3. Crown
  4. Lies (Of November)
  5. Color
  6. Guns (Of March)
  7. Flash Sings for Us
  8. Beni Oui Oui
  9. Mexico
  10. Drunk Old Paul (And His Wild Things)
  11. You Decide
  12. Queen + King

Links:
www.foreigndiplomats.com

Die Dates:

  • 15.08.2017 Mainz
  • 16.08.2017 Hamburg
  • 17.08.2017 Mannheim
  • 18.08.2017 Köln
  • 19.08.2017 Dornstadt