Metal Hammer Paradise Atmo (Foto: Olaf Räwel bs!)

Der Himmel ist blau und die Sonne strahlt. Wer hätte sich nicht so ein Wetter bei der Anfahrt im diesjährigen Festivalsommer gewünscht. Doch es ist inzwischen November und es geht, bei nicht mehr ganz 5 Grad Celsius, an die raue Ostsee, zum Weissenhäuser Strand. Dort findet in diesem Jahr das vierte Metal Hammer Paradise statt. Ein Komfort-Festival Deluxe, fernab von durchnässten Zelten, matschigen Untergründen, ekligen Dixi´s und Unwettern, die uns dieses Jahr doch sehr häufig beschert wurden. Nein, hier schläft man im Hotel, Apartments oder Bungalows, hat seine eigene Dusche und meist überdachte kurze Wege zu den Veranstaltungsorten.

Metal Hammer Paradies 2016 (Poster: hfr.)
Metal Hammer Paradies 2016 (Poster: hfr.)

Schon die Anreise ist anders. Als erstes fällt auf, dass es keinen Stau zu dem kleinen Ferienort am schönen Ostseestrand gibt. Man wird auf einen Parkplatz vor dem Empfangsgebäude geleitet, in dem man sich anmeldet. Im Inneren wirkt es eher, als würden Touristen die mit dem Shuttlebus vom Flughafen gebracht wurden, in ihr Urlaubshotel einchecken. Sie stehen an der Rezeption und bekommen die Schlüssel nebst Wegbeschreibung zu ihrem Domizil. Aber ganz so abwegig ist es gar nicht. Denn es ist wie ein Wochenendurlaub, nur mit viel lauter harter Musik. Wer nicht schon am Donnerstag angereist ist um die fette Warmup-Party mitzumachen, richtet sich nun in seinen Räumlichkeiten ein und öffnet vielleicht schon das erste Bier. Wer keine Musik dabei hat kann sich über den hauseigenen TV Sender musikalisch mit diversen Musikvideos einstimmen.

Metal Hammer Paradise Atmo (Foto: Olaf Räwel bs!)

Dann kommt der erste Streifzug durch die Gemeinde. Auf einem Rundgang durch das Dorf fällt auf, dass es nur von Metalheads bevölkert wird. Es ist wie ein Nachhausekommen. Und selbst ein Festivalfeeling kommt, durch die Musik aus den einzelnen Apartments, der Geruch nach gegrilltem Fleisch auf einigen Terrassen und durch Leute, die in ausgelassener Stimmung mit ihren Bierdosen den Weg kreuzen, auf.

Schon mal ein grandioser Auftakt.

Hinter dem Marktplatz, an dem sich ein Bäcker, ein Supermarkt und Souvenirgeschäfte anreihen, erstreckt sich die Galerie, Knotenpunkt des Geschehens. Hier hat sich neben den diversen Restaurants, Bars, der Bowlingbahn, der Spielhalle und dem Zugang zum Badeparadies (welches im Preis inklusive ist) der Metal Hammer Stand, Merchandise und der Metal Markt dazugesellt. Zudem ist in diesem Jahr die Norddeutsche Variante des Radiosenders Radio Bob mit vertreten. Ein Sender der den Norden mit Rock versorgt und gänzlich auf Discomucke verzichtet.

In dieser Passage führen auch die Stufen zur mittleren Bühne, dem Baltic Ballroom, hoch, wo an diesem Freitag der Auftakt des Festivals stattfinden wird. Eigentlich ein Konferenz- bzw. Kongresssaal, der umfunktioniert wurde. Zwischen dem Bowlingcenter und der Bar befinden sich dann ausreichend Toiletten, die regelmäßig gereinigt werden. Bei den Männern (die wohl alle nicht so helle sein sollen) gibt es sogar noch Beschreibungen, die aufzeigen was wo rein gehört. (Der Autor beschreibt hier den Toilettengang!)

Metal Hammer Paradise Atmo (Foto: Olaf Räwel bs!)

Am Ende der Passage liegen das Hauptzelt mit der Maximum Metal Sage sowie die kleinste Bühne in der Riff Alm, das Dschungelland und das Empfangsgebäude. Hier berät das Team vom Weissenhäuser Strand auch gerne bei irgendwelchen Anliegen oder Beschwerden. Wobei sich an diesem Wochenende wohl keiner über zu laute Musik beschweren wird.

Pentagram (Foto: Olaf Räwel bs!)

Der Startschuss fällt um 17:00 Uhr mit einer kurzen Begrüßung von Thorsten Zahn, dem Chefredakteur der deutschen Ausgabe des Metal Hammer´s im Balic Ballroom. Zahn macht schnell die Bühne für den ersten Akt des Abends frei. Pentagram Doom-Metal der ersten Stunde stehen auf der Bühne. Und Altmeister Bobby Liebling, der in Hackenschuhen und sechziger Jahre Sonnenbrille auf die Bühne kommt, scheint sich bester Kondition zu erfreuen. Das sah in der Vergangenheit schon mal anders aus. Mancher mag nun denken, der sieht ja aus wie der Tod auf Latschen mit seinem Erscheinungsbild und den hervorstechenden Augen, aber die alten Fans freuen sich über den zweiten Frühling und die Erfolge der letzten beiden Scheiben. Zudem ist der Sound im Ballroom absolut top und man konnte sogar die Ansagen von Bobby verstehen. Das kennen wir auch anders.

Setlist Pentagramm:

  1. Death Row
  2. All Your Sins
  3. Sign Of The Wolf/Sinister
  4. Forever My Queen
  5. Screamer
  6. Dead Bury Dead
  7. Curious Volume
  8. Dying World
  9. Devils Playground
  10. Relentless/Broken Vows
    Encore
  11. Last Days Here
  12. 20 Buck Spin
Die Kassierer (Foto: Olaf Räwel bs!)

Aber nun geht es auch auf der Hauptbühne los. Die Kassierer sind auf den Weissenhäuser Strand losgelassen worden. Viele die geglaubt haben, sie würden im Riff oder höchsten falls im Ballroom spielen, wurden nun eines Besseren belehrt und bekamen sie auf der Maximum Metal Stage zu sehen. Auch wenn die meisten Konzerte der Wattenscheider ausverkauft sind, wundert man sich doch über diese Entscheidung. Aber viel mehr noch über die Entblößung, hinter einem weißen Tuch, von Sänger Wölfi, der somit sein nudistisches (Fehl)verhalten dem Publikum präsentiert. Bei dem Song „Mein Glied ist zu groß“ wirkt das Ganze doch ein wenig kurios. Dann bleibt nur noch zu sagen: es ist „der Klagegesang einer Katze, auch die vorletzte Woche“.

Brainstorm (Foto: Olaf Räwel bs!)

Nun geht es aber Schlag auf Schlag. Überschneidungen und die Entscheidungen zu treffen, wo man nun hin geht, häufen sich. Parallel spielen jetzt in der Riff Alm Year of the Goat und im Ballroom Brainstorm. Der charismatische Sänger Andy von Brainstorm erobert den Ballroom im Sturm und es ist auch nicht erstaunlich, viele schmachtende Frauenaugen zu sehen. Der Power Metal im Ballroom kommt mit fetten Riff´s und sattem Sound daher ohne übersteuert zu klingen. Hier ist der Schock von der Hauptbühne schnell überwunden. Da fragt sich so manche Frau, warum er sich nicht auszieht.

Setlist Brainstorm:

  1. Falling Spiral Down
  2. Worlds Are Coming
  3. The World To See
  4. Firesoul
  5. Forsake What I Believed
  6. Highs Without Lows
  7. We Are…
  8. Shiver
    Encore
  9. Shiva´s Tears
  10. Fire Walk with Me
  11. All Those Words

Nun geht es auf der Maximum Metal Stage mit Pretty Maids weiter. Leider ist der Sound nicht annähernd so gut wie im Ballroom. Zudem wirkt Ronnie Atkins Stimme bei den melodischen Parts ein wenig holprig, dafür bei den heftigeren umso voluminöser. Natürlich haben sie viel von der neuen Scheibe „Kingmaker“ im Gepäck, aber auch alte Klassiker wie „Future World“, „Yellow Rain“ und „Back To Black“ dürfen nicht fehlen. Alles in allem ein sehr ausgereiftes Set, wenn da nicht der Sound wäre. Schade!

Eine weitere Entscheidung steht nun an. Enslaved oder Almanac. Aber man muss ja auch mal was essen bevor die wirklichen Bigpoints kommen. Wieder sind Entscheidungen gefragt. Reicht eine Wurst vom Grill draußen? Oder vielleicht doch ein Burger aus dem Burgerladen? Oder Pizza bzw. Pasta in der Osteria? Oder, oder, oder. Die Möglichkeiten sind hier schon beeindruckend. Vielleicht reicht ja auch erst mal ein Kaffee bei Grandma´s Coffee & Candy und dann weiterschauen. Wie auch immer das heimliche Highlight des Abends rückt näher. Dirk Schneider!!!

Dirkschneider (Foto: Olaf Räwel bs!)

„holding back the years…“

Mit der Aussage, zum letzten Mal die Accept-Songs zu spielen gewinnt dieser Gig eine ganz besondere Bedeutung. Zumal Udo seinen Sohn am Schlagzeug sitzen hat, was man bisher nur von der Familie Cavalera kennt. Und Peng. Nach einem Intro geht es schon gleich mit „Starlight“ los. Das verspricht ein historischer Abend zu werden. Und so ist es auch. Bei einem wesentlich besseren Sound als bei Pretty Maids schmettern sie ein Kult-Song nach dem Anderen raus. „Balls To The Wall“, „Restless And Wild“, „Midnight Mover“ oder „Princess Of The Dawn“ um nur einige zu nennen. Und Udos Stimme hat sich seit den 80ger Jahren kein Stück verändert. Für viele Ältere ein richtiges „holding back the years…“ Ein epischer Moment, wenn mensch bedenkt sowas nicht mehr zu sehen zu bekommen. Zumal der Rest der Band das Gefühl hervorruft, die Songs richtig zu leben, und nicht wie bei Accept selbst, diese nur runterleiern. Hier wird für so einige ein Traum wahr.

Was soll nun noch kommen?

Equilibrum (Foto: Olaf Räwel bs!)

Wieder die Qual der Wahl. Dust Bold oder Equilibrium? Der Ballroom ist bis zum Bersten gefüllt, erste Einlassstopps an diesem Tag. Auf kleineren Bühnen bei etwas bekannteren Bands leider keine Seltenheit. So mussten die NachzüglerInnen das Konzert in der Passage am Monitor mitverfolgen. Drinnen sind die Münchner Equilibrium dabei den Laden zu zerlegen. Equilibrium die auch hier ihre neue Scheibe „Armageddon“ vorstellen, erfreuen sich schon seit ein paar Jahren immer mehr an Beliebtheit und füllen die Hallen. So nun auch hier. Der Sound ist auch diesmal unverändert gut und die Atmosphäre episch. So muss hier mal ein ganz großes Lob an die Techniker und Mischer ausgesprochen werden, die dieses alles ermöglichen. Gute Arbeit Jungs!

Nun aber zum Headliner des Freitags. Apocalyptica! Wer sie von den Anfängen her kennt, erinnert sich an 3 Cellisten, die anfänglich Songs von Sepultura und Metallica auf Celli coverten. So wurde nun vermutet, dass sie das Metallica Set spielen und es ausgiebig ausreizen würden. Dem ist allerdings nicht so. So kommen also auch die Instrumentalvarianten von „Path“ und „Bittersweet“. Leider leert sich das Zelt mit der Zeit zunehmend. Es ist wohl wirklich nicht jedermanns/-fraus Sache. Am Sound kann es nicht liegen, denn dieser wurde von Gig zu Gig immer besser. Aber, ganz ehrlich: Der nun fest installierte Sänger Franky Perez wirkt wie ein Fremdkörper in dieser Combo. Selbst für die eingefleischten Fans ein Anlass zu gehen.

Apocalyptica (Foto: Olaf Räwel bs!)

Somit strömen schon viele Leute zur Aftershowparty ins Witthüs oder in die Zimmer um den Tag ausklingen zu lassen. Gerüchte besagen, dass sich so Einige doch verlaufen haben und bei der klirrenden Kälte über das Gelände irren. Man kann nur hoffen, dass der Alkohol von innen wärmt, und sie schnell ihre Bleibe finden. Denn inzwischen sind es Minusgrade.

Der Samstag fängt genauso an, wie der Freitag aufhörte. Die Leute, die auf dem Weg zum Bäcker sind, um Brötchen für’s Frühstück zu besorgen, müssen echt aufpassen, dass sie nicht ausrutschen und sich lang machen. Es ist schweineglatt und Nebel liegt über der kleinen Gemeinde an der Ostsee. Die Hotelgäste haben es einfacher. Sie setzen sich an das für sie bereitgestellte, üppige Hoteleigene Frühstücksbuffet. Aber auch die Apartment- und Bungalowgäste hätten zusätzlich Frühstück dazubuchen können, welches im Witthüs serviert wird.

Da soll noch mal Jemand sagen „Frühstück ist kein Heavy Metal“…

Weit gefehlt, denn so rutscht das erste Bier wieder besser (vier Uhr nachts ist ja schon vorbei). Da bis zu den ersten Programmpunkten noch Zeit ist, steht Shopping in der Galeria an. Oder man begibt sich auf einen Strandspaziergang und lässt sich, von der Seebrücke aus, den Wind um die Nase wehen. Inzwischen kommt auch die Sonne wieder herraus und das Wasser ist erstaunlicherweise sehr ruhig. Fast schon wie eine Lagune färbt sich, durch die Sonne, die See schön grünbläulich. Hier sind wir wieder beim Urlaubsfeeling.

Metal Hammer Paradise Atmo (Foto: Olaf Räwel bs!)

Die Literaturinteressierten können sich nun um 12:00 Uhr die Lesung von Christian von Aster im Witthüs zu Gemüte führen. Hier folgen dann auch ein Gitarrenworkshop mit Almanac und ein Vocalworkshop mit Sänger Ralf von Primal Fear. Es wird also schon was in der Mittagszeit geboten. Wer aber schon Musik haben will, bekommt auf dem Marktplatz Songs von AC/DC durch eine kleine Combo geboten, die mit ihren tragbaren Gerätschaften um die Häuser zieht.

Auf den Bühnen geht es gleich wieder dual los. Dew Scented zerlegt den Ballroom in kleine Stücke und der Metal Hammer Contest Gewinner rockt die Riff Alm. Sieht man sich die Jungs von Conclusion of an Age an, denkt man sie wären direkt aus der Schule mit ihren Sachen hierher gekommen. Sie wirken wirklich jung. Nur dann wird der Regler umgelegt und der Sound bläst einem ins Gehirn. Der Gesang sehr druckvoll und satt und ein Zusammenspiel das sich gewaschen hat. Wer hätte das von den zarten Jungs gedacht.

Conclusion of an Age – diese Jungs sollte mensch auf jedem Fall im Auge behalten, da steck einen ganze Menge Potenzial drin.

Anvil (Foto: Olaf Räwel bs!)

Nun geht es auch auf der Hauptbühne im Zelt los. Es ist schön zu sehen, dass Anvil doch jetzt auf der großen Bühne stehen und nicht wie vor ein paar Jahren auf einer kleineren. Und das bei diesem weiten Anfahrtsweg. Die Kanadier haben richtig Spaß, was mensch auch gleich zu sehen und zu spüren bekommt. Nur fehlt am Anfang Sänger Steve „Lips“ Kudlow. Nein, publikumsnah mischt er sich unter die Masse und läßt sich feiern, bevor er die Bühne erklimmt. Nach dem diesem Insrumentalsong, geht es gleich weiter mit „666“ und wer nicht jetzt schon die Freude im Herzen trug, wird spätestens jetzt mitgehen. Denn nun folgt eine Reihe von Anvils Klassikern. Ob nun „Free Ass The Wind“, „Mothra“ oder „Metal On Metal“ etc.pp. Jedoch auch die neueren Songs machen Freude. Wie z.B. „Die For A Lie“. Und nun haben sie den Sound auf der Hauptbühne auch wirklich hinbekommen.

Derweilen gibt es voluminöse Riffs von Ram im Ballroom und Stallon in der Alm, wieder mal Jungs die gerade der Fruchtblase entsprungen zu sein scheinen, aber voller Energie die Lokation im Sturm erobern. Und dann, Onkel Tom auf der Maximum Metal Stage. Punkt 16:00 Uhr. Nach dem Motto kein Bier vor vier; geht es genau nur um das.

Sodom (Foto: Torsten Volkmer bs!)

Sodom Frontmann Tom lässt das Gesöff in Strömen fließen, „vermetalt“ die gängigen Gassenhauer und kreiert eigene alkoholgeladene Songs. Es gibt zwar kein Bier auf Hawaii, aber hier am Weissenhäuser Strand. Mehr kann mensch dazu wohl nicht sagen.

Und nun wird es bombastisch: Die Brechstange zerlegt den Ballroom. Und zur großen Freude ist – in diesem Sommer – nach ca. 16 Jahren das Gesicht von Crowbar zurückgekehrt. Bassist Todd „Sexy T“ Strange is back. Vielleicht gerade deswegen legt der Ballroom soundtechnisch noch einen drauf. Der Sound hört sich noch satter an, ohne übersteuert zu wirken und dreht sich über die Ohren in die Gehirnwindungen. Dazu kommt Geschwindigkeit. Entschleunigung war einmal! Hier geht es jetzt richtig zur Sache. Und es ist auf der Bühne auch mehr vom „American Hardcore“ zu erkennen. Selbst die leidende Stimme von Kirk Windstein hat so viel Power, dass sie den Besuchern die Falten aus dem Gesicht bläßt.

Overkill (Foto: Olaf Räwel bs!)

Im Zelt auf der Hauptbühne sind inzwischen Overkill zugange. Im Gegensatz zum Ballroom wirkt hier der Sound schmal, reicht aber aus um die Hammersongs „Feel The Fire“, „Hammerhead“, „Coma“ oder „Fuck You“ mitzufeiern. Und dann… Surprise surprise kommt plötzlich „Emerald“, ein Coversong von Thin-Lizzy. Dieser ist so von Overkill  noch nicht da gewesen. Passt aber wunderbar zur Stimme von Blitz. Nur leider ist dieser bei den instrumentalen Parts immer wieder verschwunden, wo durch die Bühne dann sehr leer wirkte. Da macht sich ein Klitsche mal wieder bemerkbar. Lange Solis wurden dazu genutzt sich hinter der Bühne die Nase zu pudern. Ohne etwas unterstellen zu wollen, fühlt man sich hier dann doch an das Ende der 80ger und Anfang der 90ger Jahre erinnert. Und bei einer Band, die schon so lange im Geschäft ist fragt man sich dann schon…

Und es geht weiter. Lost Society (Thrash Metal aus Finnland) in der Riff Alm oder Primal Fear (feinster deutscher Power Metal). Mal wieder die Qual der Wahl. Primal Fear erstürmen im Ballroom im Rausch. Ähnlich wie Andy bei Brainstorm, hat auch Ralf eine sehr starke Ausstrahlung, die einen gleich vom ersten Augenblick mitreißt. Und wie es sich in diesem Jahr im Ballroom durchzieht, einem sauberen voluminösem Sound. Das kann mensch gar nicht häufig genug erwähnen. Und die Band gibt auch alles. Hier beweist es sich wieder, wer eine wahre Liveband ist. Und hier zeigt es sich mal wieder: „Metal Is Forever“!

Setlist Primal Fear:

  1. Final Embrace
  2. In Metal We Trust
  3. Angel In Black
  4. Rulebreaker
  5. Sign Of Fear
  6. Nuclear Fire
  7. Angels Of Mercy
  8. The End Is Near
  9. Fighting The Darkness
    Encore
  10. When Death Come´s Knocking
  11. Chainbreaker
  12. Metal Is Forever
  13. Running In The Dust

Durch den kurzfristigen Ausfall von Iced Earth musste ja nun ein Ersatz her. Anfangs wurde viel spekuliert, und nun stehen Freedom Call auf der Bühne. Die Jungs sind extra aus bestehenden Aufnahmen für das neue Album über 1000 Kilometer angereist um diese Lücke zu füllen. Hut ab. Ihnen kann man wirklich den Spaß an der Musik ansehen. Auf einer so großen Bühne zu stehen, ist für eine Band die eher kleinere Clubs gewöhnt ist, ein absolutes Highlight. Und die Menge geht mit und hebt ab. Die Stimmung der Band ist voll übergesprungen. Das ist aber auch kein Wunder, da die Songs Hymenartig daherkommen, ähnlich wie bei Manowar. Somit war es ein großes Fest mit den Jungs zu feiern. Und Letztendich waren nun alle the „Union Of The Strong“ . Und hier haben die Techniker auch ihren Sound wieder gefunden.

Nach diesem Fest kommen nun Annihilator oder der Kieler Erik Cohen zum Zuge. Nach dem Ausstieg von Dave Padden musste sich die Band Annihilator erst mal wieder neu finden und einige Hürden überwinden. So ist es schön zu sehen, dass diese Band ihren Weg gefunden hat. Der Auftritt ist der absolute Hammer. Jeff Waters hat es also immer noch drauf die Truppe zusammen zu bringen und einen derben Auftritt abzuliefern. Genial.

Schandmaul (Foto: Lena Behlmer bs!)

Danach wird es ganz anders. Auf der Maximum Metal Stage stehen nun Schandmaul auf den Brettern. In der Tradition des MHP viele Spaten abzudecken kommen nun das Mittelalter und der Folk zum Tragen. Wie schon in den Jahren zuvor mit In Extremo, Saltatio Mortis, Subway To Sally oder Feuerschwanz wird nun diese Weise fortgeführt. Auch wenn Sänger Thomas Lindner immer wieder beteuert, sie seien kein Heavy Metal, haben sie ihren Auftritt dem Anlass ein wenig angepasst. So ist es nicht verwunderlich, dass „Der Teufel“ den Schnaps gemacht hat und uns hier eigentlich zur „Walpurgisnacht“ einlädt, wenn man nicht ein „Hofnarr“ sei. Ein sehr gelungener Auftritt, der wirklich alle mitreißt. Auch wenn doch einige Songs eher langsamer und sentimentaler daherkommen wie „Tjakr Evers“ oder „Orlèans“ welches echt ein gewagter erster Song ist. Aber das Licht ist episch und die Musik klingt noch lange in den Köpfen nach. Im Gegensatz zu Thomas Aussage passt es wunderbar hier rein.

Blues Pills (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Blues Pills. Wer sie sehen will muss sich echt sputen. Der Andrang ist nun vor dem Ballroom echt schlimm. Ähnlich sieht es bei Secret of the Moon in der Riff Alm aus. Aber klar, es geht dem Ende zu und es kommen noch weitere Highlights. Jetzt werden die letzten Kräfte mobilisiert um diesem stattzuhalten. Apropos Blues Pills: Der Raum des baltischen Tanzsaals ist zum brechen gefüllt um Elin und Ihre Mannen zu sehen. Im Gegensatz zu Bobby Liebling von Pentagram in seinen hochhackigen Schuhen, kommt nun die junge Dame nun Sockfuß bzw. in Strümpfen daher. Und wie wandedelbar die Band selbst ist, beweist nicht nur der Zuwachs von Rickard Nygren, sondern auch, dass sie ihr Set für diesen Event überarbeitet haben. Die Souleinflüsse wurden rausgenommen und die Gitarre mehr in den Vordergrund gestellt. So kommt ein wesentlich härterer Sound raus, wobei die Stimme von Elin immer noch bahnbrechend ist. Diese Frau scheint mehr Energie als alle Anderen hier in diesem Raum zu haben, denn sie fegt wie ein Derwisch über die Bühne und es tut der Stimmgewalt und Stimmsicherheit kein Abbruch. Die Reinkarnation von Janis Joplin.

Wie in den vorangegangenen Gigs ist der Sound immer noch mörderisch in diesem kleinen Saal, andem inzwischen der Schweiß von der Decke tropft und die Hitze einen fertig macht. (Wie, es ist kalt draußen?)

Setlist Blues Pills:

  1. Lady In Gold
  2. Little Boy Preacher
  3. Won´t Go Back
  4. Black Smoke
  5. Bliss
  6. Little Sun
  7. Astralplane
  8. Elements And Things
  9. You Gotta Try
  10. Burned Out
  11. Highclass Woman
  12. Aint No Change
  13. Devil Man
    Encore
  14. I Felt A Change
  15. Rejection
  16. Gone So Long
Saxon (Foto: Lars Peters)

Und nun der Headliner des Abends Saxon. Ein wirkliches Urgestein der der Metalszene undTräger eines Erbes. Im ersten Jahr des Metal Hammer Paradise mussten sie sich noch geschlagen geben und vor In Extremo spielen, aber nun haben sie die Herrschaft gewonnen und thronen über diesem Wochenende. Nach einem AC/DC Intro eröffnen sie mit dem Titelsong „Battering Jam“ von ihrem neuen Album den letzten Gig dieses Abends. Im Laufe folgen noch drei weitere. Danach diverse Kracher aus ihrer Laufbahn. Was nur auffällt ist, dass man von Biff dieses Mal kein „Horns up“ zu sehen bekommt, die sogenannte Pommesgabel, die mensch sonst fast in jedem Song entgegengestreckt bekommt. Stattdessen sind es die Faust oder die flache Hand. Schon denkwürdig. Aber Saxon scheinen dennoch Spaß an ihrem Auftritt zu haben, so beißt Biff seinem Gitarissten Doug Scarrat in den Kopf seiner Les Paul, was wahrscheinlich nicht ganz so lecker ist. Ansonsten ein grandioser Abschluss von diesem Wochenende.

Setlist Saxon:

  1. Intro ( It´s A Long Way To The Top) (AC/DC)
  2. Battering Jam
  3. Heavy Metal Thunder
  4. Sacrifice
  5. Solid Ball Of Rock
  6. Never Surrender
  7. Stand Up And Be Counted
  8. The Devil´s Foodprint
  9. Strong Arm Of The Law
  10. Killing Ground
  11. The Eagle Has Landed
  12. 20.000 Ft
  13. Queen Of Hearts
  14. And The Bands Play On
  15. Dallas 1 PM
  16. Wheels Of Steel
    Encore:
  17. Denim An Leather
  18. Princess Of The Night

Wer jetzt noch nicht genug hat, begibt sich zur zweiten Aftershowparty ins Witthüs um den Tag gebührend ausklingen zu lassen. Oder feiert weiter in den Zimmern Apartments, Bungalows oder so. Aber mensch sollte nicht vergessen, dass Sonntag die Abreise ansteht und man bis um 12:00 Uhr raus sein sollte. Es sei denn man bucht noch ein oder zwei Tage nach, um sich zu erholen.

Auf jeden Fall sehen wir uns wieder am 10/11. November 2017!!!

Galerien vom Metal Hammer Paradise 2016:

Links:
www.metal-hammer-paradise.de