We Came As Romans: Cold Like War (2017) Book Cover We Came As Romans: Cold Like War (2017)
Metalcore
Sharptone Records Inc.
19.10.2017
www.coldlikewar.com

Tracklist:

  1. Vultures With Clipped Wings
  2. Cold Like War
  3. Two Hands
  4. Lost In The Moment
  5. Foreign Fire
  6. Wasted Age
  7. Encoder
  8. If There’s Nothing To See
  9. Promise Me
  10. Learning To Survive

Die Zeiten des Metalcore oder Trancecore sind vorbei... so dachte ich zumindest. Großer Irrtum, denn Bands wie We Came As Romans gibt es noch und sie schmeißen nach wie vor Alben auf den Markt. Zugegebenermaßen hatte ich mich eine Weile nicht mehr mit der Band beschäftigt, doch die Neugierde siegte.

Ein Flashback in gefühlt längst vergangene Tage erwartet den Hörer als nach dem einleitenden sphärischen Kurzintro das den ersten Song „Vultures With Clipped Wings“ losbrettert. Im guten alten Metalcore Stil geht es hier so richtig zur Sache. Doch was einen in den ersten paar Minuten fast von den Socken haut, verblasst recht schnell zu einem uninspirierten und eintönigen Song. Wütend und doch harmlos mit Riffs nach dem simplen Metalcore-ABC der alten Schule. „Back to the roots“ war hier wahrscheinlich der Gedanke, doch etwas Fortschritt sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Auch das hilflose Klaviergeklimper am Ende tröstet nicht darüber hinweg.

Zum namensgebenden „Cold Like War“ gibt es dann immerhin einige Mitsingparts, die allerdings stark an die älteren Sachen von Silverstein erinnern. Eine minimale Steigerung zum Einstiegssong mit netten Parts bei denen sich Shouts und cleaner Gesang die Klinke in die Hand geben. Ab und zu düdeln Elektrospuren dazwischen, jedoch erscheinen diese auch eher unausgegoren und überzeugen nicht.

Etwas poppiger geht es bei „Two Hands“ zu. Doch die Luft scheint raus zu sein und man versucht in softer Manier einen radiotauglichen Song an den Mann zu bringen. Am Ende wird’s dann doch ein wenig böse mit Geschrei, das allerdings bald wieder in einen choralen Gesang übergeht, dessen Kitschcharakter ich nicht aushalte und der mich schnell weiterskippen lässt. Dann doch lieber das folgende „Lost In The Moment“, das in keiner Weise über seinen Schnulzentum hinwegtäuschen möchte. Und das macht den Song zu einem glaubwürdigeren Stück.

„Foreign Fire“ plätschert vorbei. Zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus, aber viel hängen bleibt nicht bevor „Wasted Age“ ein wenig aufhorchen lässt. Doch hier ist es dann zuviel des Guten. Vorhersehbare Mitsingpassagen, zwischen harten Shoutparts für die wütenderen Hörer und dann auch noch elektronisches Nintendogeklimper im letzten Viertel. Overacting in der gesamten Linie.

Auch zu „Encoder“ wird versucht innovativ und abwechslungsreich zu agieren. Es wirkt leider aufgesetzt und übermotiviert. Ich dachte die Band wäre ihren Anfängen im guten Sinne entwachsen und ich weiß ja nicht was die Jungs all die Jahre gemacht haben... mir kommt es so vor als wäre das nicht viel gewesen. Nicht einmal das Spektrum an Riffs hat offensichtlich zugenommen, man begnügt sich mit altbewährtem.

Cold Like War lässt sich gut durchhören ohne großartig aufzufallen. Nachdem die letzten Alben anscheinend semi-erfolgreich waren, versucht die Band sich hier auf ihre Wurzeln zu besinnen. Nett gemeint, aber einen dauerhaften Eindruck hinterlässt es nicht und wirkt einfallslos und überholt. Elektronische Einflüsse, die vor 2 Jahren modern waren, peppen das Werk leider auch nicht auf. Die Monotonie sticht bei mehrmaligem Hören vermehrt raus, es wird austauschbar. Jedoch bin ich sicher, dass viele Fans froh sein werden über die (Rück-)-Entwicklung, denn hier befindet man sich in bekannten Gewässern, was oft auch nicht verkehrt ist.