In This Moment: Ritual (2017) Book Cover In This Moment: Ritual (2017)
Modern Metal
Atlantic/Warner
21.07.2017
www.inthismomentofficial.com

Tracklist:

  1. Salvation
  2. Oh Lord
  3. Black Wedding
  4. In The Air Tonight
  5. Joan Of Arc
  6. River Of Fire
  7. Witching Hour
  8. Twin Flames
  9. Half God Half Devil
  10. No Me Importa
  11. Roots
  12. Lay Your Gun Down

Ach du Heiliger... Es soll ja Leute geben, die sehen den Vorgänger “Black Widow” als ein Highlight in der Diskografie von In This Moment an. Ich hatte damals schon ein paar Fragezeichen im Gesicht und nun beim Hören vom Nachfolger „Ritual“ noch mehr. Sängerin Maria Brink und ihre Mannen sah ich mit ihren ersten Alben („Beautiful Tragedy“, „The Dream“ und „A Star-Crossed Wasteland“) als eine hoffnungsvolle Band, die mit frischen Arrangements im Modern Metal-Sektor ordentlich Aufsehen erregen könnten und würden.

Doch was war passiert? Man entschloss sich lieber auf eine Plastische-Hollywood-Pseudodüstere-Musical-Kitsch-Kapelle zu machen und vermarktete Ms. Brink als müden Aufguss einer Belle mit der Band als Biest.

Dass man diesen Weg gegangen ist, empfinde ich deswegen als sehr schade, weil dadurch die Qualität der Musik immer mehr abbaute. Es steht zwar nach wie vor außer Frage, das Maria Brink eine klasse Sängerin ist und ihre Stimme (sofern sie songdienlich ihre Leistung zur Schau stellen kann) immer noch mit ein Highlight der Scheibe ist, aber dafür fallen in der Gesamtsumme viel zu wenige geile Songs ab bzw. zu wenige richtige Hits. „Roots“ und „Twin Flames“ sind Geheimtipps, die das Zeug haben, sich längerfristig ins Gedächtnis einzubrennen, denn Songs wie „Oh Lord“, „Joan Of Arc“, „Witching Hour“, „River Of Fire“ und „Half God Half Devil“ sind zwar eingängiger strukturiert und haben hier und da feine Gesangsmelodien (was Pluspunkte bringt), doch gegen die älteren Smasher im Backkatalog verblassen sie in Windeseile. Der Rausschmeißer „Lay Your Gun Down“ versprüht eine gute dunkle Theatralik, doch leider fehlt die Intensität um eine Gänsehautstimmung zu erzeugen um somit mitreißend genug zu sein.

Es ließt sich zwar bisher schlecht, aber dabei waren das noch die guten Aspekte an „Ritual“! Die restlichen Songs sind einfach nur noch zum Mäuse melken. Sorry, aber mit dem eröffnenden Intro „Salvation“ holst du niemanden hintern Ofen hervor, „Black Wedding“ ist nur ein billiger Rip-Off des Billy Idols-Klassikers „White Wedding“, dessen Refrain man zweckentfremdet hat (Metal-Gott Rob Halford ist hier als Gastsänger zu hören – Song eigentlich gut, aber großes Minus wegen dem einfallslosen Refrainklaues) und „No Me Importa“ „glänzt“ mit seinem total nervigen Refrain „I Don´t Care“, dass so ausdruckskrass rüberkommt und wie „I don´t kääääääähhhhhhrrrrrrrr“ klingt. (Ich hab keine Ahnung was sie nicht kehren will...). #Flachwitz

Last but not least, das allergrößte Verbrechen an „Ritual“: Das Cover der Phil Collins Göttergabe „In The Air Tonight“. Grauenhaft! Wie kann man diesen Track nur so verschandeln? Den Spannungsmoment des Drum-Einsatzes komplett verhunzt und davor entsteht absolut kein Nervenkitzel, in dem dann der Song gipfelt. Maria Brink kann erste gegen Ende des Liedes durch ihre hervorragende Gesangsleistung ein kleinwenig Ergebniskosmetik betreiben.

„Ritual“ ist ein Album, das für mich die Band weiter ins Aus befördert. Viel Durchschnitt, wenig Glanz, teilweise Ideenlosigkeit. Und das von einer Band, das soviel Potenzial inne hat. Sehr schade, denn mit der Leistung, gibt es nur gerade noch so den dritten Stern.