Caliban: Elements (2018) Book Cover Caliban: Elements (2018)
Metalcore
Century Media
06.04.2018
www.calibanmetal.com

Tracklist:

  1. This Is War
  2. Intoxicated
  3. Ich Blute Für Dich
  4. Before Later Becomes Never
  5. Set Me Free
  6. My Madness
  7. I Am Fear
  8. Delusion
  9. Carry On
  10. Masquerade
  11. Incomplete
  12. The Great Unknown
  13. Sleepers Awake

Fast haargenau zwei Jahre nach dem letzten Output “Gravity” sind die Essener Jungs von Caliban mit ihrem neuen Studioalbum „Elements“ am Start. Dabei handelt es sich bereits um das elfte Werk und zeigt erneut, dass mit den Ruhrpottlern immer noch zu rechnen ist.

Der Albumtitel „Elements“ spiegelt sehr gut wieder, was den Hörer zu erwarten hat: Aus einer rund 20 Jahre andauernden Historie, haben sich die Sounds, Arrangements und Instrumental- bzw. Gesangstechniken aus den bisherigen Veröffentlichungen in all ihren Stärken hier gebündelt und haben sich damit bis an ihre (momentanen) Grenzen ausgebreitet. Ein extrem vielschichtiges, aber nicht aufdringliches oder gar überladenes Gesamtwerk, das im Vergleich zu seinem Vorgänger „Gravity“ positiver klingt. Nicht falsch verstehen: „Gravity“ war und ist immer noch ein bärenstarkes Album, dass nach dem Ausrutscher „Ghost Empire“ (2014) die Qualitätskurve wieder deutlich nach oben richten ließ, aber durch seinen düsteren Industrial-Klangteppich (der auch stellenweise dezent auf „Elements“ zu hören ist), fühlte sich das Album wie ein Hassbrocken an. „Elements“ gönnt sich dagegen mal mehr Luft zum Atmen, indem man von Gaspedal geht und auch die poppigeren Refrains mehr in den Vordergrund stellt.

Das interessante dabei ist, dass genau diese Konstellation dem Genre-Begriff „Metalcore“ fast nicht mehr gerecht wird und man sich fragen kann, ob das schon Modern Metal ist. Es kann aber auch einem total schnuppe sein, denn der Caliban-Fan, der mit der bisherigen musikalischen Entwicklung keinerlei Probleme hatte, wird auch diesmal wieder seine helle Freude an „Elements“ haben.

„Schuld“ daran sind die eingängigen Songs wie „My Madness“, „Intoxicated“, das brutale „Sleepers Awake“, „Carry On“ (bei dem ich Sänger Andy Dörner, der nun komplett alleine die cleanen und melodiösen Gesangsparts übernommen hat, den klitzekleinen Wackler vor dem letzten Refrain mit dem gesungenen „..put me through“ „bemängeln“ muss) oder das reizvolle „Masquerade“, für das man Korns Brian „Head“ Welch als Gast gewinnen konnte.

Wer etwas in die Fresse bekommen will, der zieht sich den Opener „This Is War“, „Set Me Free“ oder „Before Later Becomes Never“ rein, bei dem Thy Art Is Murder-Frontbrüller Chris „CJ“ MacMahon mit seinen Gastvocals den Track richtig fies erklingen lässt. Und wer dann immer noch nicht genug hat, dem empfehle ich dass deutsch gesungene „Ich blute für dich“, das auch mit Gastbeiträgen punktet (Sebastian „Sushi“ Biesler von Eskimo Callboy und Matthi von Nasty) aber mit einer textlich genialen Hook gesegnet ist und die Bridge (im besonderen die Textzeile „Was ist dein Problem?“) zukünftig bei Konzerten das Startsignal für Walls Of Death sein wird. Das sind genügend Gründe warum „Elements“ seinen Vorgänger fast komplett übertrumpft.

was ist dein problem?

– diese Textzeile könnte nun vielen von euch in den Sinn gekommen sein, nach meinem Resümee. Warum das „fast“, fragt ihr euch? Nun, „Elements“ hat einen kleinen Schönheitsfehler: Ab „Before Later Becomes Never“ wechselt das Album seine Stimmungsfarbe nicht mehr und wirkt bis zum Schluss jedes Mal zu geordnet. Das unkontrollierte Ausbrechen in den Songs hätte für meinen Geschmack im Verlauf von „Elements“ markanter vorkommen können, denn so ist es mir einen ticken zu glatt. Somit bleibt es auf dem gleichen (hohen!) Niveau, wie die letzte Langrille „Gravity“. Und wir erinnern uns: es waren damals auch fünf Sterne.