Brian Fallon: Sleepwalkers (2018) Book Cover Brian Fallon: Sleepwalkers (2018)
Christian Schwarz
Rock
Island Records
08.02.2018
www.facebook.com/thebrianfallon/

Tracklist:

  1. If Your Prayers Don't Get To Heaven
  2. Forget Me Not
  3. Come Wander With Me
  4. Etta James
  5. Her Majesty's Service
  6. Proof Of Life
  7. Little Nightmares
  8. Sleepwalkers
  9. My Name Is The Night (Color Me Black)
  10. Neptune
  11. Watson
  12. See You On The Other Side

Die Kritiker waren entzückt, zogen Vergleiche zu Bruce Springsteens Platten „Born to run“ und „Darkness on the Edge of Town“. Vor zehn Jahren gelang The Gaslight Anthem mit ihrem zweiten Album „The '59 Sound“ der ganz große Wurf. Ihr Sänger Brian Fallon überzeugte nicht nur als Musiker, sondern auch mit seinem packenden Storytelling.

Euphorisch und zu Tränen rührend. US-Rock mit Punk- und Folkeinflüssen at its best. Nach diversen Platten mit seiner Band und seinem gelungenen Solodebut „Painkillers“ 2016 hat Brian Fallon mit „Sleepwalkers“ nun sein zweites Werk in Eigenregie aufgenommen und beim Schreiben soll er das gleiche Gefühl gehabt haben wie damals bei „The '59 Sound“. Und ja, das hört man den zwölf Songs und ihren Texten an.

Es ist ein ambitioniertes Album geworden, für das Brian sogar extra Klavierunterricht genommen hat. Der Sound ist warm und eingängig, aber nicht gefällig, vielleicht etwas zu homogen. Und manchmal trägt Fallon in Sachen Pathos textlich und musikalisch ein bisschen zu dick auf, aber – hey – dafür lieben seine Fans ihn schließlich. Und nach zwei Durchläufen kann man die Refrains schon mitsingen. Zum Beispiel „bei Forget Me Not“, eine tolle mitreißende Uptempo-Nummer, die gute Laune macht und nach Bewegung schreit. Der Mann hat den Soul. Das beweist auch das hymnische „Come Wander With Me“ mit rührendem Text:

Now everyone I know had to make their own bed
Try to do as good as their fathers did for them
I never knew mine so I bandaged the hurt
I pretended that my daddy was a bank robber

Nicht zu überhören ist natürlich der Einfluss von Bruce Springsteen, der wie Brian nicht New Jersey seine Heimat nennt. Und das ist auch gut so. Wenn am Anfang des Titeltracks Saxofon und Trompete einsetzen – für die Brian die Preservation Hall Jazz Band engagierte – fühlen sich die Hörer wunderbar aufgehoben. Aber Brian ist selbstverständlich kein Abklatsch des Boss. Wie auch schon auf seinen früheren Werken sind seine Einflüsse vielfältig. Den fast schon britischen Sixties-Einschlag hört man zum Beispiel bei „Neptune“, beim letzten Song „See you on the other side“ dominiert der Folk, der fast ein Gospel mit seiner Akustikgitarre und den Handclaps ist. Brian liebt die Musik der 50er, 60er und 70er. Das hört man bei jedem Song. Und so klingt das Album ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, moderne Einflüsse: Fehlanzeige. Vielleicht macht es „Sleepwalkers“ deswegen aber auch zeitlos.

So wie der The-Gaslight-Anthem-Klassiker vor zehn Jahren. Nein, „Sleepwalkers“ ist sicherlich kein neues „The '59 Sound“. Aber das Gefühl von damals bringt Brian Fallon mit seinem zweiten Soloalbum wunderbar rüber.